REVIEW 28 MM EDITION MANHATTAN

Heute ein kleines Review von Maria Scholze die sich ein paar Gedanken über mein Buch gemacht hat. Ausserdem gibt es heute ein tolles Angebot das Buch könnt ihr für 69,90 erwerben und 20 Euro sparen. 

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Die Kraft ungeschönter Echtheit

 

Wie spannungsvoll kann Street Photography sein? Lassen sich pure Authentizität und cineastische Wucht ebenbürtig vereinen? Eine klare Antwort auf diese Fragen legt Tomaso Baldessarini mit dem eindringlichen Bildband „28 MM – Edition Manhattan“ vor. 

Charakteristisch für den Berliner Fotografen sind konzeptionell starke Porträtarbeiten, deren einzelne Bilder über sich selbst hinausweisen. Bereits in dem groß angelegten Projekt „Anti.Mono.Stereo“ verzichtete er auf Beauty-Retusche und Weichzeichner-Perfektionierung und zelebrierte gerade dadurch die Schönheit im Detail. Ehrlichkeit als Stilmittel für emotionale Strahlkraft und Tiefe.

Mit Kamera in der Hand und einer 28mm-Linse ausgestattet, verließ er nun das Studio, um unauffällig in das urbane Gewimmel New Yorks einzutauchen. Sich auf die Straßen des imposanten Stadtteils Manhattan und unmittelbar in den Menschenstrom zu begeben, scheint gleichermaßen ein gewagter Sprung als auch eine logische Fortschreibung seiner bisherigen Arbeiten zu sein. Das Ergebnis ist ein Buch voller Ambivalenzen, die mal direkt ins Auge stechen, mal mehr über die gedankliche Meditation über den Bildern sichtbar werden.

 

Von Alltagsbanalität bis zum Drama im Detail

 

Jedes Bild des 352-seitigen Bandes changiert zwischen mehreren Ebenen. Zunächst wird die Spannung zwischen den realistischen, ungestellten Porträts und der filmisch-surrealen Optik augenfällig. Unbemerkt und ungekünstelt werden Mimik, Haltung und Alltagsgebaren der vorbeiziehenden, in Gedanken versunkenen Personen eingefangen. Es bleibt kein Raum für Posing oder ein Korrigieren des Gesichtsausdruckes. Im Kontrast dazu wirken die Bilder dennoch malerisch und über-lebensgroß. Durch die Farbintensität und starken Kontraste vibrieren die Bilder geradezu und entfalten eine dramatische Wirkung. Bei der Betrachtung der Fotografien kann die Reizüberflutung der Großstadt förmlich nachempfunden werden. Die kinästhetische Qualität der Bilder vermag es, direkt in den Sog des Stadtgetöses hineinzuziehen. Der Betrachter läuft innerlich mit und vollzieht den Bewegungsablauf zwischen den Menschen in Gedanken nach.

Gleichzeitig kommt der Doppelsinn von Fremde und Vertrautheit, Nähe und Distanz mehrfach zum Tragen. Das bunte Straßenflair und die glänzenden Wolkenkratzer sind unverkennbar in Manhattan verortet. Dennoch scheinen die Aufnahmen stellvertretend und überindividuell für ganz gewöhnliche, alltägliche Erfahrungen eines jedes Großstädters zu stehen.

Die starke räumliche Nähe Baldessarinis zu den Personen erzeugt eine große authentische Unmittelbarkeit. Es ist eine Distanzlosigkeit, die beinahe unangenehm wirkt. Trotzdem bleiben die tatsächlichen Sorgen, Lebensumstände und Geschichten verborgen. So wie für den Menschen das Erfassen von Gesichtsausdrücken überlebensnotwendig ist und mehr Aufmerksamkeit erheischt als das Betrachten von Gegenständen, ist das Deuten der Mimik ein vordringlicher Wunsch beim Blättern durch den Bildband. Dabei durchlebt man die komplette Klaviatur menschlicher Gefühle von bewundernd bis niederschmetternd. Beim genaueren Hinsehen entdeckt man Hektik und nachdenkliches Herausfallen aus der Zeit, humorvolle Skurrilität und eleganten Stil, Wut und Zartheit, stolze Haltung oder gar traurige Gebrochenheit. Die Menschen, welche aneinander vorbeilaufen und -leben, behaupten sich in einer Gesellschaft voller Glamour, Armut und globalisiertem Turbokapitalismus. Mit jedem Bild muss erneut verortet werden, wo man sich im Spektrum zwischen Trivialität und Dramatik befindet. Das Buch lädt zum Verweilen und Studieren ein, wie auch sein schlau gewählter Untertitel vorwegnimmt: „The Journey Starts In Your Mind“.

 

Storytelling ohne Worte und soziale Studie

 

„28 MM“ ist ein hochwertig verarbeiteter, haptisch angenehmer Bildband, welcher schlicht, aber durchdacht aufgebaut ist. Er bedarf keiner ausgedehnten Kommentierung, um seine Dramaturgie zu entfalten und Baldessarinis Ideen wiederzugeben. Stattdessen werden Doppelseiten gekonnt nach Farben, Formen und Situationen kombiniert und ergeben somit ein einheitliches, in sich stimmiges Ganzes. Dabei wächst die Immersionskraft der Aufnahmen und das Berührtsein verdichtet sich mit jeder Seite.

Das Street Photography Werk kommt ohne den Gebrauch von Stereotypen oder rührselige Inszenierung von Momenten aus. Stattdessen stellt es eine intensiv wirkende, mühevoll erstellte soziale Kartographie einer modernen Metropole dar und dokumentiert den Zustand einer Gesellschaft zwischen sehnsuchtsvollem Glücksversprechen und Elend des „American Dream“.

 

                                            Maria Scholze