GET THE FUCK CLOSE

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

New York ist eine Stadt der Gegensätze, unglaubliche Situationen spielen sich im Bruchteil von Millisekunden ab. Die letzten Tage waren ein Kampf für mich, ich musste für mich eine Technik entwickeln, um so schnell zu fotografieren das ich nicht erst durch den Sucher schauen muss. Ich mag diese Art der Straßen-Fotografie. Hier geht es besonders darum persönliche Ängste zu überwinden, sehr nah an die Menschen mit der Kamera zu gehen und im richtigen Moment "On Point" zu sein. Solche Situationen fotografiert man nicht mit Autofokus, der ist viel zu langsam. Man muss lernen aus der Hand manuell zu fokussieren. Eins mit der Kamera zu werden, schnelle Belichtungszeiten und eine Blende, die relativ zu ist sind hier wirklich das Handwerkszeug. Meine Art zu fotografieren braucht viel Übung. Die letzten Tage bin ich wirklich verzweifelt, weil die Schüsse die ich im Kasten haben wollte, oft nicht funktioniert haben, weil der Auto-Fokus absolut nicht funktioniert hat. Nun ist der Knoten geplatzt und ich habe es endlich verstanden die Leica blind zu bedienen. Ich setze meinen manuellen Fokus immer zwischen 60 cm bis 2 m, weil ich gelernt habe abzuschätzen wie der Fokus am besten sitzt. Voraussetzung ist perfektes Licht und mindestens eine Blende von 8. Um die Mimik der Menschen wirklich auf den Punkt einzufrieren, belichte ich mindestens mit 1/1000. Man muss so verdammt schnell sein und gleichzeitig so fotografieren das es die Menschen nicht mitbekommen. Das 28 mm zwingt dich förmlich nah ran zu gehen, das ist wirklich eine Disziplin, die ich für mich neu entdecke.

Ich liebe ungeschönte, ehrliche und bizarre Momente aber auch diese Situationen die uns die Schönheit des Alltags wieder einmal deutlich machen. ( New York ist der beste Platz dafür). Die Menschen sind so mit sich und ihrem Leben beschäftigt das mich die meisten gar nicht erst mitbekommen. Außerdem bin ich immer schwarz angezogen, damit ich nicht auffalle. Man muss sehr viel Mut aufbringen, um wirklich nah an die Menschen zu kommen. Alles eine Frage der Taktik und des richtigen Momentes. Wichtig ist, das man sich schon vorher geeignete Spots mit dem perfekten Licht aussucht und beobachtet wie schnell oder langsam sich die Menschen bewegen. Ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Faktoren. Die New Yorker sind sehr leicht von den Touristen zu unterscheiden.

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

Endlich bin ich mitten drin statt nur dabei, die Art wie ich gerade arbeite ermöglicht mir wirklich alle Situationen so festzuhalten, wie ich mir das wünsche. Es ist relativ einfach aus der Hand zu fokussieren. Wer gut Distanzen einschätzen kann, wird es relativ schnell lernen. Der größte Fehler ist zu lange zu überlegen, man muss sofort reagieren damit man wirklich das beste aus jeder Situation rausholt. Man sollte sich nicht zu viel mit seiner Kamera auseinandersetzen. Wichtig ist das man sich auf das wesentliche konzentriert und dabei sein Werkzeug versteht. 28mm sind für mich wirklich Freiheit, die Linse ist ein Traum genau so, wie es die wirklich bizarren Menschen hier teilweise sind. Endlich bin ich im Tunnel und nach 10 Tagen das erste Mal glücklich das ich auf den richtigen Weg bin. Ich habe rund 8 kg verloren in den letzten Tagen, ich habe mich dabei beobachtet, dass ich zu sehr nachgedacht habe und meine Arbeit schlecht gemacht habe. Nun ich bin ein sehr kritischer Mensch besonders wenn, es um meine Arbeit geht. So ein Projekt macht sich nicht von allein aber jeden Tag die Kraft aufzubringen sich auf die Straße zu trauen und das mehrere Stunden, das braucht eines: „Das ist Fokus und Willenskraft“. Im Allgemeinen muss ich feststellen das Street-Photography wirklich unterschätzt ist, sowohl handwerklich als auch inhaltlich bedarf es schon einigem. Im Studio hat man eben alles unter Kontrolle, auf der Straße kannst du nie wissen was passiert. Ein Fehler und es kann passieren das, das fotografische Objekt nicht so nett reagiert. Seid schnell, seid fokussiert, arbeitet konstant und lasst euch nie zu negativ stimmen, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Ich bin jetzt im Tunnel und das für mindestens noch 20 Tage… Darum liebe ich die Fotografie, so hart es manchmal ist, aber wenn du an diesen Punkt kommst, wo du mit einer Karte voll mit faszinierenden Bildern nachhause kommst und ein Grinsen im Gesicht hast. Viel Spaß beim Bilder schauen, das ist nur eine kleine Auswahl von heute.

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini 

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini

Manhattan 2016 // Tomaso Baldessarini